Selbstliebe oder Selbstverliebt?

Winter 2017

Selbstliebe, der Trendbegriff schlechthin in unserer heutigen Zeit. Ich lese ihn nicht nur in Büchern oder Ratgeber-Zeitschriften, sondern vor allem in den sozialen Medien, wie sich viele Influenzer für dieses Thema stark machen.

Immer öfter frage ich mich aber, was tonnenweise Make up, Smoky Eyes oder stetige Selbstherausforderungen in Form von extremen Fastendiäten, Darmspülungen oder strengen Fitness- und Yogaprogrammen mit Selbstliebe zu tun haben?
Es wird permanent am Äußeren herumgefeilt, verbessert und verschönert, Leistung erbracht, um das ganze dann mit der Kamera oder dem Handy bildlich festzuhalten und im Netz mit der Community zu teilen.

In einer Gesellschaft voller Selbstdarsteller ist Selbstliebe ein Akt der Revolution.

Sich selbst als etwas ganz besonderes zu präsentieren und mit Informationen und Entertainment in einer konkurrenzbesessenen Gesellschaft herauszustechen, ist für die meisten unter uns mittlerweile schon so alltäglich geworden dass die eigentliche und simple Idee hinter dem Thema Selbstliebe kaum noch wahrnehmbar ist.
Ja, Selbstliebe ist so simpel wie auch genial.
Sie hat weniger etwas mit Selbstoptimierung als mit Selbstakzeptanz und zu tun.
Sich intensiv mit sich selbst auseinanderzusetzen, und dabei geduldig und gelassen zu sein, scheint allerdings in einer leistungsgeprägten Gesellschaft eine enorme Herausforderung darzustellen. Verständlich, und für mich auch nachvollziehbar, dass sich die meisten dann noch eine Maske über ihre Maske stülpen um alles perfekt und makellos darzustellen.
Was die meisten dabei allerdings immer wieder auffallend vergessen oder möglicherweise sogar übersehen ist, dass Selbstliebe nur aus unserem Inneren kommen kann und nicht durch äußere Einflüsse ausgelöst wird.

Vergleichen macht unglücklich.

Sich kontinuierlich mit anderen zu vergleichen und den Fokus auf das zu richten, was andere haben, können oder tun und man selbst nicht, macht nicht nur nicht glücklich, sondern erzeugt nur noch mehr Mangel und Frust.
Mich selbst anzunehmen ohne mich dabei zu bewerten oder zu beurteilen und auch unabhängig davon was von mir erwartet wird, ist ein essenzieller Schritt in Richtung Selbstverantwortung und Selbstakzeptanz. Es ist ein JA zu mir selbst und ein NEIN zu dem Hamsterrad in dem ich mich befinde wenn ich ständig versuche mich dieser Idealistischen und Selbstverliebten Gesellschaft anzupassen und mitzuhalten, denn der wahre Schatz der Liebe ist nicht geliebt zu werden, sondern zu lieben.
Gesunde Selbstliebe bedeutet nämlich nicht nachzuahmen was andere vorleben oder vorgeben zu sein, sondern sich nach innen zu richten, die Erwartungen an sich selbst loszulassen und sich nicht vorschreiben zu lassen wie das ideale Leben auszusehen hat.
Ich muss nicht perfekt und makellos sein. Weder für mich selbst, noch für andere. Und je mehr ich mich von dem Gedanken verabschiede, nicht gut genug, hübsch genug, intelligent und gesund genug zu sein, desto näher komme ich meiner inneren Wahrheit, meinem wahren Potenzial und meiner Einzigartigkeit. Erst wenn ich gelernt habe mich selbst zu akzeptieren und zu lieben, komme ich früher oder später auch in den Genuss von anderen akzeptiert und geliebt zu werden.

Danke für’s Lesen

Eure Riah

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