Ein kleiner Schritt auf einem langen Weg

‘Kerzenlicht’ 2019
(Öl-Pastellfarben auf schwarzem Malkarton)

Ist euch schon mal aufgefallen wie oft wir die Wörter ‘hoffen’, hoffentlich’, ‘hoffnungsvoll’ und alle anderen Wörter, die aus dem Wort HOFFNUNG abgeleitet werden, täglich anwenden, hören oder lesen?
Meist denken wir gar nicht mehr weiter darüber nach.
Es scheint fast so, als wäre die Hoffnung ein fixer, kaum wegzudenkender Bestandteil in unserem Alltag.

Ich frage mich, wo das Wort Hoffnung seinen Ursprung hat, welche Bedeutung ihr zugrunde liegt und was sie mit mir macht?
Deshalb war und ist es mir wichtig, mich mit den Menschen in meinem näheren Umfeld darüber auszutauschen und dieses Thema zu kommunizieren.

Die meisten die ich dazu befragt habe, assoziieren Hoffnung mit etwas positivem. Teilweise wird es als etwas ‘Licht-bringendes’ umschrieben.
Ich durfte außerdem feststellen, dass sich kaum jemand tiefere Gedanken zum Thema Hoffnung bisher gemacht hatte.

Diese Tatsache bestätigt mir leider den Verdacht, wie unbewusst und unachtsam wir (in den meisten Fällen) Wörter und Sprache im Allgemeinen nutzen.
Um fair zu bleiben möchte ich erwähnen, dass auch ich nicht immer schon achtsam in meinem Ausdruck und deren Form war. Es ist jedoch ein wichtiger Teil des Prozesses, der ich selbst bin, geworden und nimmt nicht wenig Platz in meinem Leben ein.

Deshalb dachte ich, es wäre vielleicht ganz interessant für mich, einen Beitrag über die Hoffnung und meine Erfahrungen mit ihr zu schreiben.

Die Recherche im Internet auf verschiedenen Seiten (Wikipedia, Wiktionary, DWDS u.v.m.) erklärten mir alle, in unterschiedlicher Umschreibung, dass die Hoffnung im deutschen Sprachgebrauch, eine ‘mit einer positiven Erwartungshaltung gepaarten inneren Ausrichtung’ sei.
Man nimmt an, dass das Wort seinen Ursprung in der griechischen Antike hat und vom Begriff elpis abgeleitet und übersetzt wurde. Allerdings noch ohne positiver Konnotation. Diese kam in der deutschen Übersetzung erst viel später dazu (ca.5.Jh.).

Eine positive Erwartungshaltung also..
Stellt sich mir an diesem Punkt jedoch die Frage, wie positiv eine Erwartungshaltung denn überhaupt sein kann?

Wenn ich so darüber nachdenke und mich in das Wort ERWARTUNG ein-fühle, fühlt es sich für mich ganz und gar nicht nach etwas positivem an.
Ist eine Erwartungshaltung nicht eine bestimmte Idee wie etwas sein sollte oder oft auch wie jemand sein bzw. sich verhalten sollte? Mach ich mich dann nicht abhängig anstatt frei zu werden und zu sein?

Und das soll positiv sein?

Kann eine Erwartungshaltung eigentlich auch neutral sein?

Nietzsche schrieb dass die Hoffnung in Wahrheit das übelste Übel überhaupt sei, weil sie die Qual der Menschen verlängert.

Dem kann ich nur zustimmen. Denn, was passiert mit mir wenn ich hoffe? Vor allem wann hoffe ich?
Wenn es mir gut geht, ich mich in mir und meiner Umgebung wohl fühle, denke ich dann an Hoffnung?
Wohl eher nicht.
War es doch eher nur dann ein Thema für mich zu hoffen, wenn ich in einer Krisen- bzw. Notsituation steckte.
Dann spendete die Hoffnung mir scheinbar Trost und Licht und möglicherweise auch Durchhaltevermögen selbst, wenn die Sterne, für einen positiven Ausgang der jeweiligen Situation, schlecht standen.

Womöglich hatte Nietzsche seinerzeit schon erkannt, wie befreiend es ist loszulassen und dass Leid und Schmerz eine Frage der Perspektive und Interpretationen sind.

Ist es nicht so, dass die Hoffnung mich daran hindert loszulassen? Hält sie mich nicht, wenn auch indirekt, in einer Wunschvorstellung gefangen, selbst wenn dieser Wunsch unklar erscheint?

Rückblickend fühlt es sich für mich so an als wäre ich jedes mal wenn ich von ihr gebrauch machte, in einem unsichtbaren Käfig des Widerstands und des nicht-akzeptieren-Wollen gefangen.
Anstatt Verantwortung für mein Glück und für mein vorankommen im Leben zu übernehmen, klammerte ich mich an Gefühlen und Erinnerungen nur, um diese schmerzhaften Erfahrungen ein klein bisschen erträglicher für mich zu machen und der Wahrheit nicht ins Auge zu blicken – wie man bei uns umgangssprachlich sagt.

Als könnte ich vor mir Selbst davon laufen.

Dass ich das wirklich nicht kann, begriff ich erst vor ein paar Jahren richtig. Als ich mich nämlich zum wiederholten Male in derselben Prüfung des Lebens wiederfand lediglich, in einer anderen Form und Intensität. Mit Form beschreibe ich, in einer anderen Umgebung, mit anderen Menschen und anderer Ursache. Und weniger intensiv wird die Erfahrung auch nicht wenn ich sie immer und immer wieder mache. Ich erholte mich zwar mit jedem Mal schneller und stärkte mich dadurch auch im Bezug auf andere schmerzliche Erfahrungen, jedoch war das, und das spürte ich schon lange, nicht Sinn und Zweck dieser Erfahrungen. Für mich war es jedes mal, wenn ich mich in derselben Situation wiederfand ein Indiz dafür, dass ich aus der Vorigen ähnlichen Erfahrung, nichts gelernt hatte.

Ihr fragt euch jetzt bestimmt was das mit Hoffnung zu tun hat?

Nun-ja, ich stellte für mich fest, dass die Hoffnung keine Basis für die Lösung meiner Probleme oder die Heilung meiner Wunden darstellte.
Zu erkennen dass ich etwas tun kann um mich aus meinem eingebildeten Leid zu befreien, war ein kleiner Schritt am langen Weg, zu einem unbekannten Ziel.
Das heißt für mich unter anderem auch, mich den selbst erschaffenen Situationen und Momenten voll und ganz Hinzugeben ohne dem Drang, etwas daran verändern zu wollen, nachzugeben.
Zu filtern wann es für mich etwas zu tun gibt und wann nicht, unterstützt mich in meiner Weiterentwicklung.

Bis jetzt war es ein langer Lernprozess zu verstehen und zu begreifen, dass die Hoffnung nichts weiter als ein Ausdruck der Angst für mich ist. Sei es die Angst eine gewohnte Umgebung hinter mir zu lassen, einen geliebten Menschen zu verabschieden oder, nicht zuletzt, die Angst vor einem Neuanfang.

Diese Ängste riefen ein Gefühl der Ohnmacht und der Hilflosigkeit in mir hervor. Hoffnung war oft scheinbar die einzige Option diese Gefühle erträglicher zu machen.

Die Phasen in denen ich hoffte, wiederholten sich so oft bis sie irgendwann nicht mehr zu wirken schien und ich an einem Punkt der Verzweiflung ankam.

Ich weiß nicht wie noch wann und auch nicht warum, aber irgendetwas in mir führte mich zurück ins Vertrauen.
Und zwar nicht in einen Menschen oder gar in mich selbst, sondern ins Leben als Ganzes und damit einhergehend die Gewissheit , dass das Leben das ich erlebe, die Resonanz meiner Gedanken und Handlungen ist.

Es ist also eine Frage der Reflexion wie ich das Leben wahrnehme und gleichzeitig mitgestalte.
Deshalb hat die Hoffnung mittlerweile wenig bis keinen Platz mehr darin für mich.
Wohl liegt es bestimmt auch daran, dass es mir zu leicht erscheint auf etwas zu hoffen anstatt selbst die Verantwortung für mein Befinden zu übernehmen.

Es sind die kleinen und großen Herausforderungen im Leben die mich mein volles Potenzial erkennen, leben und erleben lassen.

Mit diesem Satz möchte ich diesen Beitrag nun zu einem Ende bringen und nicht zuletzt darauf hinweisen, dass Alles im Leben sein darf und ich hier lediglich Gedanken und Erfahrungen im Bezug auf die Hoffnung mit euch teilen wollte und es keine Anleitung fürs Leben darstellen soll.

..DANKE fürs lesen..

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