Bin ich die Summe der Erinnerungen meines Lebens?

Wir tun es jeden Tag. Die meiste Zeit sind wir uns nicht einmal bewusst darüber. Jeder kennt sie auch wenn sie uns in gewisser Weise sehr unbekannt ist. Sie ist überlebensnotwendig, manchmal ein Zeitvertreib, oder auch ein stilles Leiden.

Die Erinnerung ist allgegenwärtig. Sie steckt in jedem Moment, in jedem Gedanken und jeder Handlung. Ohne Sie hätten wir keinen Sinn für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Alles was wir erleben, bewusst oder unbewusst wahrnehmen, wird permanent abgespeichert ohne dass wir es bemerken. Selbst während des Schlafs nehmen wir unsere Umwelt sensorisch wahr. Eine amerikanische Studie legt außerdem nahe, dass 95 Prozent aller Informationen unbewusst gespeichert werden und dennoch abrufbar sind. Dieses sogenannte ‘Priming-Gedächtnis’, ist eine der dutzenden Arten der Erinnerungsarchiven in der Gedächtnisforschung.

Doch nicht nur unser Gehirn speichert Erinnerungen anhand von Informationen in Form von Emotionen, Gefühlen und Sinneseindrücken auf bewusster und unbewusster Ebene, auch unser Körper ist in der Lage, sich – unabhängig von unserer mentalen Aktivität – zu erinnern.

Auch Redewendungen in diese Richtung (‘wir tragen einen schweren Rucksack’, ‘es schnürt uns die Kehle zu’ .. etc. etc.), machen uns auf die Psychosomatik in Bezug auf Erinnerungen und Auswirkungen auf unseren Körper aufmerksam.

Das sogenannte Körpergedächtnis wird seit ca. 1980 als ein kulturelles und kognitives Speichermedium betrachtet

Neurowissenschaftliche Studien belegen den Einfluss von Beziehungserfahrungen auf biologische Abläufe des Körpers bis hin zur Veränderungen der Genfunktion.

Basierend darauf kann der Körper als Archiv gedacht werden, in dem Spuren individueller oder kollektiver Erinnerungen eingraviert werden.

Prägende Erfahrungen die der Körper gemacht hat, bilden unser Körpergedächtnis, das auch künftige Erfahrungen mitbestimmt.

Vor allem Erfahrungen die wir als besonders emotional empfinden prägen, unser Erinnerungsgedächtnis, sowohl körperlich, als auch mental. Diese Emotionen sind aber nicht ohne weiteres abrufbar.

Der Forscher Joseph Ledoux erklärt, dass die eigentlichen Emotionen, körperliche Reaktionen auf bestimmte erlernte oder ererbte Reize sind. Sie gehen einer bewussten Reaktion voraus und sind von Erinnerungen, die wir als emotional empfinden, streng zu unterscheiden.

Der bewusst wahrgenommene Reiz, wird im sogenannten Arbeitsgedächtnis mit anderen Informationen – unter anderem mit der Rückmeldung die uns unser Körper auf die vorausgegangene Emotion gibt – verknüpft. Diese Rückmeldung bezeichnen wir als Gefühl.

Das Gefühl ist also bereits vor der bewussten Wahrnehmung vorhanden.

Was von dem gesamten Vorgang als Erinnerung abgespeichert wird, ist eine emotionale Erinnerung.

Erinnerungen dienen als Brücken in die Vergangenheit

Sich erinnern heißt unter anderem, konstruktive Rückschau zu halten. Einerseits um verstehen zu können, den Situationen und Momenten in unserem Leben einen Sinn und Bedeutung zu geben, andererseits liegt dem Wort Erinnerung auch eine Form des Wiedererkennens zugrunde.

Auch in Nostalgie zu schwelgen, beschreibt einen Ausdruck des Erinnerns. Wenn auch eine eher wehmütige Sehnsucht nach der Vergangenheit.

Sie sind immer auch Interpretationen des Erlebten und Durchlittenen, je mehr Zeit vergeht, umso variantenreicher gestaltet sich mitunter das was wir zu erinnern glauben.

Falsche Erinnerungen sind keine Seltenheit. Dafür gibt es viele Gründe. Unter anderem kann der Zustand des Gehirns zum Zeitpunkt des Erinnerns Einfluss darauf haben, wie entlegene Erinnerung heraufbeschworen wird.

Als kurze Anmerkung an dieser Stelle, möchte ich die Hypnose nennen. Bei einer Untersuchung waren sich 60-80% der Therapeuten darüber im Klaren, dass man sich in Hypnose auch falsche Erinnerungen suggerieren kann, die der Hypnotisierte für echt hält,

mehr dazu in einem möglicherweise anderen Artikel.

Experimente zeigen auch, dass objektives Erinnern nicht möglich ist,

vor allem in Bezug auf mental bewusstes Erinnern zeigt sich, dass das Gedächtnis zwar nicht kontrollierbar ist, gleichzeitig aber auch extrem opportunistisch ist und nur das behält, was es auch gebrauchen kann, nichts daran ist neutral.

Summa Summarum

Wenn also nicht nur unser Gedächtnis, sondern auch unser Körper selbst als Speicherort für alles bewusst und unbewusst auf uns Einwirkende dient, könnte man demnach sagen, ich bin die Summe der Erinnerungen meines Lebens?

Die Tatsache, dass nicht nur ich selbst, sondern auch andere unsere Erinnerungen umschreiben können, eröffnet mir zudem die Möglichkeit, jeden Tag ein anderer zu sein als ich gestern war. Halleluja.

Danke fürs lesen,

eure Riah

2 thoughts on “Bin ich die Summe der Erinnerungen meines Lebens?

  1. Doris says:

    Hallo Riah, danke für deine liebevollen Beiträge in Worten und Bildern. Freue mich immer mehr von dir zu lesen!

    Antworten
    1. Riah says:

      Hallo Doris 🙂
      Danke für deine lieben Worte. Ich freue mich immer über Rückmeldungen aller Art 😍
      Schön dass dir meine Beiträge gefallen 💞

      Antworten

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